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Information checkedInformation unaudited Information geprüft Information ungeprüft Von Sparbüchern und Millennium Bugs

Die letzten drei Jahrzehnte haben Liechtenstein nicht nur gesellschaftlich und wirtschaftlich geprägt, sondern auch seine Bankenlandschaft grundlegend verändert. Vom Vertrauen ins Sparbuch bis zu Digitalisierung – wir werfen einen Blick zurück auf Entwicklungen, Herausforderungen und Anekdoten, die das Bankenwesen von gestern und heute prägen.

Von Cornelia Zeh

Liechtenstein, das kleine, aber feine Finanzzentrum mitten in Europa, hat sich in den vergangenen 30 Jahren erheblich gewandelt. Anfang der 1990er-Jahre war die Bankenwelt noch stark durch traditionelle Werte wie Diskretion, Sicherheit und persönliche Kundenbesuche geprägt. Das Sparbuch hatte damals nicht nur in Liechtenstein Kultstatus: ein symbolischer Ausdruck von Stabilität, bei dem es weniger um Rendite als um das sichere Aufbewahren des Ersparten ging. Doch dann kam die Digitalisierung – und mit ihr der erste grosse Umbruch.

Papierakte vs. Online-Banking

Wer erinnert sich nicht an die Zeit, als Bankgeschäfte noch mit einem persönlichen Besuch am Schalter verbunden waren? Kundenberater kannten ihre Kunden oft über Generationen hinweg. Es gab keine E-Mails oder andere Online-Tools. Kundendaten wurden in dicken Papierakten gesammelt und bei Bedarf aktualisiert. Eine zeitaufwendige und fehleranfällige Methode, die von den Mitarbeitenden höchste Sorgfalt verlangte.

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Sparbücher der LLB

Handgeschriebene Sparbücher wurden bald von Computerausdrucken abgelöst. Und mit der Einführung des Internets Mitte der 1990er-Jahren begann eine neue Ära, die auch von Skepsis begleitet war. Online-Banking wurde zunächst mit Vorsicht betrachtet, da viele Kunden Zweifel an der Sicherheit hatten. Viele Kunden hatten Angst, dass ihr Geld durch einen Klick verschwinden konnte. Doch die Vorteile sprechen bis heute für sich: Rund-um-die-Uhr-Zugang zu Konten, schnelle Transaktionen und weniger Papierkram.

Anfangs waren es vor allem jüngere Kunden, die sich für die neuen Möglichkeiten begeisterten. Und heute ist Online-Banking nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Auch mobile Apps und die mobilen Zahldienste haben den Komfort von uns allen erhöht.

Silvesternacht 1999

Ein besonderes Ereignis in der Geschichte der Digitalisierung war der Jahreswechsel 1999 auf 2000. Der sogenannte «Millennium Bug» sorgte für schlaflose Nächte bei IT-Abteilungen weltweit. Viele Banken fürchteten, dass ihre Computersysteme das Jahr 2000 nicht korrekt verarbeiten könnten, da die Jahreszahlen in den alten Programmen oft nur zweistellig gespeichert waren. So mussten komplette Teams in der Silvesternacht arbeiten und haben auf mögliche Systemausfälle gewartet – zum Glück vergeblich, wie wir heute wissen.

Von Währungen und Aktienmärkten

Neben Regulierungen und Digitalisierung hat auch die Entwicklung der internationalen Währungs- und Aktienmärkte die Bankenwelt in Liechtenstein geprägt. Anfang der 1990er-Jahre war der Schweizer Franken für viele die Währung der Wahl, nicht nur für Einheimische, sondern auch für internationale Kunden. Es war selbstverständlich, dass viele Kunden auf die Stabilität des Frankens vertrauten – das Vertrauen in diesen sicheren Hafen ist bis heute unangefochten.

Mit der Einführung des Euro 1999 in der Europäischen Union änderte sich das Umfeld. Der Euro eröffnete nicht nur neue Möglichkeiten, er stellte die Banken auch vor neue Herausforderungen. So galt es beispielsweise, die Systeme zu aktualisieren, um mit der neuen Währung arbeiten zu können.

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Handelsraum in den 1990er-Jahre

Auch die Aktienmärkte erlebten in den letzten drei Jahrzehnten zahlreiche Höhen und Tiefen. Von der Dotcom-Blase in den frühen 2000ern bis zur globalen Finanzkrise 2008 mussten Banken ihre Kundinnen und Kunden durch turbulente Zeiten begleiten. «Manchmal war es eine echte Gratwanderung zwischen Risiko und Sicherheit», erzählt ein Mitarbeiter. «Aber gerade in diesen Momenten hat sich gezeigt, wie wichtig persönliche Beratung ist.»

Mensch bleibt im Mittelpunkt

Trotz aller Digitalisierung und Automatisierung hat sich eine Sache nicht geändert: Banken bleiben Vertrauensinstitutionen. Gerade in einem kleinen Land wie Liechtenstein, wo persönliche Beziehungen eine grosse Rolle spielen, setzen Banken weiterhin auf den menschlichen Faktor. Am Ende des Tages möchten unsere Kundinnen und Kunden eine Ansprechperson, die ihre Bedürfnisse versteht – egal ob sie in Aktien, Obligationen oder in Kryptowährungen investieren.

Doch der Wandel geht weiter. Ob mit KI-gestützter Beratung, nachhaltigen Investments oder weiteren Blockchain-Lösungen – die nächsten 30 Jahre versprechen, ebenso spannend zu werden. Und auch wenn sich vieles ändert, bleibt der Kern gleich: Es geht immer darum, Vertrauen zu schaffen.

Was haben langjährige Kolleginnen und Kollegen erlebt?