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Information checkedInformation unaudited Information geprüft Information ungeprüft Von Schreibmaschinen zu digitalen Workflows

1995 – eine Zeit, in der das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, in den Büros Schreibmaschinen ratterten, E-Mails eher die Ausnahme als die Regel waren und das Personalwesen noch ganz anders funktionierte als heute. Wer damals bei der LLB eine Stelle antreten wollte, musste nicht nur mit seinem Fachwissen überzeugen, sondern auch mit seiner Handschrift – zumindest in einigen Fällen.

Von Elena Betz

Heute klingt das fast surreal. Inzwischen haben sich Recruiting und Onboarding komplett verändert. Keine Handschriftanalyse mehr, stattdessen digitale Bewerbungen, strukturierte Einarbeitungsprogramme und moderne HR-Prozesse. Einer, der diesen Wandel von Anfang an miterlebt hat, ist Michael Verling, seit fast 30 Jahren HR-Business-Partner bei der LLB. Wir sprechen mit ihm darüber, wie sich der erste Arbeitstag im Laufe der Jahre verändert hat, welche kuriosen Geschichten es aus der Vergangenheit gibt – und warum früher manches anders, aber nicht unbedingt besser war.

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Von Papierbergen zu Digitalisierung: Michael Verling blickt auf 30 Jahre LLB zurück.

Michael, Hand aufs Herz: Wie sah vor rund 30 Jahren ein Bewerbungsverfahren bei der LLB aus?

Man könnte sagen: eine Mischung aus Papierkrieg und Geduldsspiel. Stellenausschreibungen erschienen in Zeitungen – ja, auf echtem Papier! Die Bewerbungsunterlagen kamen per Post, wurden sorgfältig kopiert und per Hauspost an die Vorgesetzten geschickt. Die Verwaltung erfolgte in mühevoll gepflegten Excel-Listen, und besonders vielversprechende Bewerbungen landeten in einem gut gefüllten Aktenschrank – für den Fall, dass später noch einmal jemand gebraucht wurde. Bewerbungsgespräche fanden immer persönlich statt, Absagen kamen höflich, aber bestimmt per Brief. Kurz: Es war ein langer analoger Prozess, der viel Geduld erforderte.

Damals gab es tatsächlich eine Handschriftanalyse für Bewerbungen. Welche Kriterien gab es da – und mal ehrlich, musstest du die auch bestehen?

Nein, zum Glück nicht, sonst hätte ich wahrscheinlich einen netten Absagebrief bekommen. Aber die Handschriftanalyse gab es wirklich – wenn auch in seltenen Fällen. Die Idee dahinter? Die Handschrift sollte etwas über die Persönlichkeit aussagen. Ob das funktioniert hat? Darüber streiten sich die Geister. Grafologische Gutachten gab es zwar, aber sie waren schon damals sehr umstritten und wurden nur selten angefordert. Wie der externe Grafologe zu seinen Schlüssen kam, war für mich immer ein Buch mit sieben Siegeln. Ich selbst habe solche Analysen nie beauftragt und bin im Nachhinein froh, dass meine Karriere nicht von der Form meines «L» abhing.

Der erste Arbeitstag kommt bekanntlich schneller, als man denkt. Wie sah dein erster Arbeitstag bei der LLB vor rund 30 Jahren aus? Und wie würdest du den Unterschied zu heute beschreiben?

Früher war das Onboarding recht überschaubar: Das HR-Team begrüsste die Neueintretenden kurz und gab eine Einführung in die wichtigsten Dos and Donʼts – Dinge, die man beachten sollte, um gut anzukommen. Sogar ein Gruppenfoto der Neuen wurde gemacht und an allen Standorten am Schwarzen Brett ausgehängt – so wusste zumindest jeder, wer neu war. Damals bestand die LLB nur aus dem Stammhaus in Vaduz mit rund 450 Mitarbeitenden. Ich meine mich zu erinnern, dass es sogar einen kleinen Rundgang durch die Bank gab, bei dem der damalige CEO die neuen Mitarbeitenden persönlich begrüsste. Dabei wurden der Hauptsitz und das Haus Äule gezeigt. Aber eines war damals wie heute wichtig: Neue Kolleginnen und Kollegen sollten sich von Anfang an willkommen fühlen. Das stand und steht im Mittelpunkt.

Heute gibt es moderne HR-Software, digitales Onboarding und strukturierte Einführungsprogramme. Wenn du das vergleichst: War früher wirklich alles besser oder hat sich die HR-Arbeit zum Positiven verändert?

Heute erleichtern moderne HR-Software, digitales Onboarding und strukturierte Einführungsprogramme die Arbeit erheblich. Doch auch damals war unser Ziel klar: Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten von Anfang an mit Respekt und Wertschätzung aufgenommen werden – mit den Mitteln, die uns vor 30 Jahren zur Verfügung standen. Unser HR-Team war damals nicht einmal halb so gross wie heute, und über manche Arbeitsweise würden wir heute vermutlich schmunzeln. Vieles war handgemacht, aber immer auf hohe Qualität ausgerichtet.

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HR-Alltag vor 30 Jahren: Platzraubende Bildschirme und Papierstapel

War es besser oder schlechter? Weder noch – nur anders. Ein grosser Unterschied war das Tempo: Statt sekundenschnelle E-Mails und Chats nutzten wir die Hauspost, die ihre Zeit brauchte. Was uns aber schon damals von anderen unterschied, war die persönliche, familiäre und wertschätzende Atmosphäre. Viele Bewerberinnen und Bewerber haben genau das geschätzt. Und es ist eine Besonderheit der LLB, auf die wir stolz sein dürfen, dass wir uns dieses starke Kulturelement bis heute bewahrt haben.

Was war dein skurrilstes oder lustigstes Erlebnis aus der Anfangszeit, wenn es um Bewerbungsgespräche oder den ersten Arbeitstag neuer Kolleginnen und Kollegen ging?

Mein Langzeitgedächtnis ist nicht das beste, aber einige Szenen sind mir im Gedächtnis geblieben. Zum Beispiel das Vorstellungsgespräch mit einem etwas korpulenteren Bewerber mittleren Alters, der in Anzug und hellblauem Hemd erschien. Er war so nervös, dass sich sein Hemd in Rekordzeit von hellblau zu dunkelblau verfärbte. Der arme Kerl tat mir wirklich leid, aber es war schwer, es nicht zu bemerken.

Oder die Bewerbungsmappe einer jungen Dame, die neben den üblichen Unterlagen ein recht freizügiges Urlaubsfoto beilegte – romantisch beleuchtet unter einer abendlichen Strassenlaterne. Ob das ein kreativer Versuch der Selbstvermarktung oder nur ein Versehen war, bleibt bis heute ein Rätsel.

Diese Momente sorgen noch heute für Schmunzeln – und beweisen, dass Bewerbungssituationen immer wieder für Überraschungen gut sind.

Wenn du eine Sache aus der «alten Zeit» zurückholen könntest, welche wäre das?

Wenn ich etwas aus der «guten alten Zeit» zurückholen könnte, dann wäre es sicherlich der gut gefüllte Bewerbermarkt. In den 1990er- und 2000er-Jahren war es noch üblich, auf eine Stellenausschreibung 30 bis 50 Bewerbungen zu erhalten – und darunter waren fast immer mehrere hoch qualifizierte Kandidatinnen und Kandidaten.

Die Möglichkeit, aus einer Vielzahl guter Bewerberinnen und Bewerber die bestmögliche Person für eine Stelle auszuwählen, war ein echter Luxus, den wir in der heutigen angespannten Arbeitsmarktsituation kaum noch kennen. Heute muss man oft um Talente werben, statt sie einfach aus einem grossen Pool auswählen zu können. In dieser Hinsicht war es früher in der Tat einfacher.

Während sich die Rekrutierung grundlegend verändert hat, zählen heute andere Faktoren: Teamgeist, Fachwissen und die richtige Einstellung – und zum Glück nicht mehr die Form unserer Buchstaben.

Aber nicht nur die Auswahlkriterien haben sich geändert, auch der Einstieg ins Unternehmen hat eine neue Dynamik bekommen. Der erste Arbeitstag ist immer aufregend, egal ob 1995 oder 2025. Der grosse Unterschied? Wo früher Aktenberge und Papierstapel warteten, gibt es heute digitale Welcome-Packages und strukturierte Einarbeitungsprogramme. Ist das besser oder schlechter? Das hängt wohl davon ab, wen man fragt. Klar ist aber: Je besser ein neues Teammitglied aufgenommen wird, desto grösser ist die Chance, dass es eines Tages ebenso nostalgisch auf seine Anfangszeit zurückblickt – vielleicht in einem Interview wie diesem.