Deutsch

Information checkedInformation unaudited Information geprüft Information ungeprüft Die leise Revolution der Mode

graphic
graphic

Banken und Mode – eine Kombination, die nicht unbedingt nach Laufsteg klingt. Doch die Outfits der Finanzbranche haben sich über die letzten 30 Jahre genauso verändert wie die Branche selbst.

Von Cornelia Zeh

Die 1990er-Jahre waren für die Bankenwelt nicht nur die Ära von Excel-Tabellen und Faxgeräten, sondern auch die Hoch-Zeit des sogenannten Power-Dressings. Männer und Frauen trugen Uniformen aus dunklen Anzügen, weissen Hemden und farblich abgestimmten Krawatten oder Seidenschals. Die Schultern waren breit, die Stoffe schwer und die Farben grau, schwarz oder dunkelblau. Frauen kombinierten ihre Kostüme gerne mit dicken Strumpfhosen und Pumps.

Der feine Unterschied

Von aussen betrachtet, war es schon fast ein einheitliches Grau – doch wer genauer hinsah, der sah subtile Unterschiede: Die Höhe des Krawattenknotens, die Wahl zwischen Oxford- und Derby-Schuhen oder das Design der Manschettenknöpfe waren kleine, aber feine Statussymbole. Ein kleiner Stilbruch? Undenkbar!

graphic

Besonders die Wahl des Krawattenknotens war nicht immer eine Frage des persönlichen Geschmacks, sondern manchmal auch eine strategische Entscheidung. Der Windsor-Knoten galt als Ausdruck von Selbstbewusstsein und Eleganz, der schlichte und einfache Four-in-Hand-Knoten wurde häufig von jüngeren Bankern getragen.

Mit den 2000er-Jahren kamen nicht nur neue Technologien, auch die Kleiderfrage wurde neu gedacht. Der «Casual Friday» hielt Einzug, und plötzlich sah man Poloshirts und hellere Farben in den sonst so formellen Bankgebäuden. Die Anzugpflicht blieb zwar bestehen, aber die Regeln wurden flexibler und beim genaueren Hinsehen konnte man den einen oder anderen Sneaker in den Büroräumlichkeiten entdecken.

Die neue Eleganz der Bankerinnen

Auch für Frauen hat sich der Dresscode in den Banken stark gewandelt. Während in den 1990er-Jahren Kostüme mit strengen Schnitten, Schulterpolstern und gedeckten Farben dominierten, ist heute mehr Vielfalt erlaubt. Hosenanzüge haben sich als elegante Alternative zum klassischen Rock etabliert, Blusen dürfen nun auch in weicheren Schnitten und mit subtilen Mustern getragen werden. Statt Pumps sind häufig auch edle Loafer oder sogar Sneaker im Büroalltag zu sehen. Die moderne Bankerinnen-Mode steht für Selbstbewusstsein und Individualität – sie ist professionell, aber gleichzeitig auch komfortabel und ausdrucksstark.

Individualität trifft Professionalität

In den letzten zehn Jahren hat sich der Dresscode der Bankenbranche verändert. Die Digitalisierung brachte Start-up-Flair in die Branche – und damit auch einen anderen Kleidungsstil. Anzüge gibt es zwar noch immer, aber sie sind schlanker geschnitten und in viel mehr Farben erhältlich. Hemden ohne Krawatten sind salonfähig, und auch Sneaker dürfen nun offiziell zum Anzug getragen werden.

Doch die neue Lockerheit bedeutet nicht, dass der professionelle Look verloren ging. Vielmehr spiegelt der moderne Dresscode eine Balance zwischen Individualität und Seriosität wider. Der Banker von heute zeigt, dass er nicht nur im Anzug souverän ist.

Wird der Hoodie den Anzug verdrängen? Vermutlich nicht. Denn auch wenn sich die Mode in der Bankenwelt stetig weiterentwickelt, bleibt eines sicher: Der Stil ist wie die Branche selbst – ein Spiegel der Zeit.